Sonntag, 21. Dezember 2008

Heute habe ich es wieder gesehen. Diesmal war es eine Wohnung riesig wie ein Schloß, die Decken so hoch, wie in einer Kirche. Sie war halbfertig. Halbrenoviert, halbeingerichtet und halbdunkel. Einzelne Möbelstücke standen hier und da, alles wunderschöne megateure Designerteile. Irgendwelche Figürchen auf Seulen, wie in einem Museum, Kunstwerke. Sie hatten keine Namen, nur Aufkleber mit Nummern. In einem Zimmer stand eine prachtvolle schneeweiße Badewanne. Natürlich war sie nicht angeschlossen, sie gehörte ja ins Bad; im Bad war es dunkel, dort tummelten sich gleich mehrere Bidets in verschiedenen Farben und Ausführungen. Es gab keine Türen, ein Raum ging in den nächsten über, und ich ging immer weiter, weil ich wissen wollte, was sich hinter der nächsten Ecke befindet. Ich hatte auch Angst, dass ich mich verlaufe und den weg zurück nicht mehr finde, ich habe nach einer Tür gesucht und gehofft, dass es im nächsten folgenden Raum einen Ausgang gibt. Die Wohnung war menschenleer, und trotzdem hatte ich ständig das Gefühl, jemand wäre hier. Ich habe mich nicht beobachtet gefühlt, ich dachte nur, ES wäre einfach nur irgendwo in einem der Räume und wir könnten uns begegnen... Und dann war ich plötzlich in einem Gemüsefeld. Die Sonne schien, in der Ferne waren Berge zu sehen, irgend so ein Feldarbeiter ging in den dreckbeschmierten Stiefeln vorbei... Der Boden war warm und feucht, hier und da stand Wasser in den Pfützen – das Feld wurde vor kurzen bewässert. Die lockere weiche Erde dampfte... Ich war wieder in meinem Element, worüber ich mich zwar nicht besonders freuen konnte, denn dorthin zurück wollte ich gar nicht. Andererseits war ich erleichtert darüber, aus der schrecklichen Wohnung rausgekommen zu sein und nun stattdessen in einem sonnigen Feld zu stehen...




Das hatte ich lange nicht mehr, weiß gar nicht, wann es zum letzten Mal war... Es war jedenfalls eine andere Wohnung mit unendlich vielen Zimmern, sie waren klein und vollgestopft mit schweren muffigen Möbeln, alle Vorhänge waren zu, die Sonne schien durch kleine Ritze und beleuchtete die Räume nur minimal. Es gab wieder keine Türen, ein Zimmer folgte dem anderen und ich ging immer weiter und suchte nach einem Ausgang. Aber damals war es noch unheimlicher, da spürte ich in jedem Zimmer irgendwelche Geister, sie Wohnten in den Tapeten, an jeder Wand, und sie machten Geräusche, nicht akustisch – es war sehr still – aber in meinem Kopf... Bis ich irgendwann draußen auf der Straße stand, um mich herum war NICHTS außer Asphalt und Sonne, ich stand vor einem Hochhaus und wusste, dass sich ganz oben im letzten Stock diese Wohnung befindet.




Sie findet sich peinlich, ich finde sie absolut cool. Ich wünschte, ich wäre wie sie. Sie sagt: „Wo lernst du zu leben? Woher hast du das? Ich hab dir das bestimmt nicht beigebracht.“ Vom Begräbnis hat sie angefangen zu erzählen, als wir noch unterwegs waren. Ich wollte auch alle Einzelheiten wissen. Vor allem, wie sie gestorben ist. Zum Glück nicht allein, und zum Glück hat sie gar nicht kapiert, dass sie stirbt. Zur Beisetzung sind ALLE gekommen, alle, von den man das nur denken könnte... Dass der Sohn aus Kanada hierher fliegt, war ja klar, aber es sind auch Menschen gekommen, die gar nicht zur Familie gehören, die sie einfach nur so kannten, aus allen möglichen Ecken... Und deshalb war es kein wirkliches Abschiednehmen, sondern ein Zusammentreffen alter Bekannten und Verwandten, über SIE wurde kaum geredet, eher über alte Zeiten und darüber, wer da in der Ecke neben K. und R. steht, in so einer komischen Jacke und gar nicht in Schwarz, kennt die einer?.. Am Schluß sagten sie zueinander: „Wann kriegen wir wieder einen Anlaß uns so zu versammeln? Hoffentlich nicht wieder auf einem Begräbnis, lieber zu einer Hochzeit!“ Es kam nur eine einzige „deutsche“ Omi mit ihrem Wägelchen, war wohl eine Nachbarin, sie saß ganz nah am Sarg, während der Pfarrer seine Rede hielt, betete, legte eine weiße Lilie in IHRE Hand und ging.



Dann kamen sie in die Wohnung. Es sollte entschieden werden, was mit IHREN ganzen Sachen passiert. W. und seine Mutter waren immer noch dabei, sie hofften etwas abzukriegen, noch ein letztes Mal. K. Sagte: „Jetzt ist Schluß! Es wurde dir genug geholfen, jetzt wirst du lernen, allein zurechtzukommen.“ Sie können einander nicht leiden, jedoch kann K. es offen zeigen und W. lässt alles über sich ergehen. Dafür beschloß er sofort den Fernseher mitzunehmen („Stelle ich in der Küche“) und schraubte in nur ein paar Minuten den Schrank auseinander („Hol ich morgen mit dem anderen Auto ab. Für meine Tochter, sie zieht mit ihrem Freund zusammen.“) K. war gereizter denn je.. „JETZT hat er keine Rücken- und keine Knieschmerzen, Arschloch.“ - sagte er zu der Schwester in der Küche, - „Ich will, dass du die beiden loswirst. M. ist hier, wir wollen uns zusammensetzen. Ich fahr noch zum Rathaus, und wenn ich zurück bin, sind sie weg.“ Er sagte: „Ich will nichts haben, nur die Fotos und Dokumente. E. guckt die Schubladen durch, alles andere könnt ihr mitnehmen. Morgen bestelle ich jemanden zum Entrümpeln.“ Die alte Hexe wäre fast geplatzt: „WIE?- Entrümpeln?! Das ist doch alles noch gut und zu gebrauchen!!“ Sie fragte dann auch: „Und was hatte sie da im Schrank an Klamotten?..“ E. schrie fast schon: „Nicht die Sachen anfassen! Ich werde alles ihrer besten Freundin nach Russland schicken! Das wollte sie so!“ Die Alte ließ aber nicht locker: „Da waren ganz viele gute Sachen, die sie gar nicht getragen hat. Lass uns erstmal sehen, und alles andere dann...“ - „Nein!! Lasst ihre Sachen in Ruhe! Keiner fasst etwas an!“ Die Aasgeier ließen sich nicht abschütteln, bis E. endlich mit den Schubladen fertig war. Mein Schätzchen räumte alles aus auf den Tisch und E. suchte nach Unterlagen, die wichtig sein könnten. Und DIE beiden standen die ganze Zeit da und warteten – es könnten ja irgendwo in den Tiefen der dunklen Kommode riesige Geldstapel versteckt liegen. Ich dachte, so etwas gibt es nur im Buch oder in einer langweiligen Komödie. Irgendwann war auch die Szene im Kasten. Als K. zurückkam, waren alle Überflüssigen endlich weg. Sie haben sich Spiegeleier mit Wurst gemacht. K. fragte M: „Na, wirst du wenigstens jetzt was trinken?“ Sie sagte: „Gut, jetzt werde auch ich was trinken.“ („Und komisch,- sagte sie zu mir,- mir ist gar nicht schlecht geworden danach, war ok.“) Es stand noch die frage offen, wo M. übernachten sollte. K. meinte, sie könnte mit zu R...s Schwester. M. fragte E., wo sie denn selber schlafe. „Bei der guten Omi im Erdgeschoss.“ - „Und warum nicht in DER Wohnung?“ - „Ich habe Angst hier alleine zu sein. Ich habe immer das Gefühl, sie wäre noch hier, und ich kann es nicht ertragen, dass sie doch nicht mehr da ist... Würdest DU denn hier mit mir übernachten? Hast du keine Angst?“ - „Nein, ich habe keine Angst, ich bleibe gerne mit dir. Mein Zug fährt ja morgen auch von hier ab; wäre nur umständlich, irgendwohin anders zu fahren und dann wieder zurück...“ Dann sagte K.: „Wir werden uns doch bestimmt nie wieder sehen, oder?“ M. sagte: „Bestimmt nicht. Was uns noch verbunden hat, das war deine Mutter, und jetzt ist sie tot. Und du bist ja in Kanada, E. meistens in Amerika, da komme ich nicht einfach so hin.“ - „Wieso denn nicht? Komm doch!“ - „Ok, wenn du die Tickets bezahlst.“ - „Hm, das lässt sich bestimmt machen. Sag nur wann...“ - „Du, Spaßvogel.“



Mein Schätzchen erzählte auch, sie hätte in der Kapelle eine Frau getroffen, die exakt so aussah, wie SIE vor 40 Jahren. „Entschuldigung, wir kennen uns nicht, aber sie sehen der Tante so ähnlich...“ - „Ja, ich bin ja ihre Nichte.“ - „Ich bin auch ihre Nichte.“ - „Ach so. Ich bin V.N. aus Bremen.“ - „Von Ihnen hab ich schon mal gehört, nur gesehen haben wir uns noch nie...“




Über die Geschenke hat sie sich sehr gefreut. Das rote Päckchen faszinierte sie sofort, auspacken vor dem Heiligabend mochte sie jedoch nicht. Stattdessen versuchte sie zu erraten, was drin ist. Ich sagte: „Wenn du nicht die Geduld hast, mach es jetzt auf; gehört ja dir.“ - „Nein...“ - sagte sie. „Dann hör auf zu fragen und das Ding zu schütteln.“ Ich packte die edlen Flaschen aus, sie fragte, welche Gläser ich haben will. „Gar keine. Das trinkt man so aus dem Hals. Sind ja deswegen so klein.“ Sie fragte, was ich essen möchte. „Kartoffel? Reis isst du ja schon die ganze Zeit... Gekocht oder gebraten?“ - „Ist doch alles langweilig. Lass uns Kartoffelpuffer machen. Mit Buchweizenmehl und viel Pfeffer und Salz. Und ich esse noch meine Garnellen dazu.“ (Sie kann die Dinger nicht ausstehen) Sie fragte: „Wie soll ich mich bei dir revanchieren?“ Ich sagte: „Also, mir fehlen noch warme kuschelige Hausschuhe und ein Schneidebrett.“ - „Aha. Sind es deine Wünsche?.. Kochst du etwa jetzt zu Hause?“ Der Abend hat uns gut getan. Wir lachten bis zum Umkippen. Sie erzählte viel von der Arbeit. Von den faulen Schwestern, die ihren stinkenden Müll als „trockenen“ Abfall tarnen, um ihn nicht selbst entsorgen zu müssen. Von einer Kollegin, bei der, als sie sich bücken wollte um die Zeitung vor dem Eingang aufzuheben, die Hose platzte, und zwar nicht nur an der Naht entlang, sondern auch quer am Hintern, in Form eines Kreuzes. Von dementen Bewohnern, deren Verhalten sie immer wieder aufs neue fasziniert. Zum Beispiel Herr N., der mit einer Küchenrolle mastrubiert und die Schwestern so gerne am Hintern streichelt. Und von Frau F., die immer im Rollstuhl wie ein Maharaja mit gekreuzten Beinen sitzt und das alles beobachtet und kommentiert: “Nein, nein, nein, hier kann man nur verrückt werden, alle sind hier verrückt, deshalb kann hier keiner normal bleiben. Passen Sie auf, Herr N., da kommt schon wieder eine mit ..m breiten Arsch!“ Oder als sie die Anordnug bekamen, überall Raumspray zu benutzen „damit es nicht nach Urin riecht, wenn die Angehörigen zur Weihnachtsfeier kommen“ und sie zu ihr ins Zimmer mit der Flasche reinkam: „Darf ich bei Ihnen mal... etwas von dem angenehmen Duft in die Luft reinbringen?“ - „ Wollen Sie etwa sagen, dass es bei mir stinkt?“ - „Nein, nein...“ - „Is ja kein Wunder! Wenn man die Unterhosen wochenlang hier sammelt anstatt sie zu waschen!“ - „Na ja, da haben Sie natürlich nicht Unrecht..“ - sie sprühte ein wenig in den Raum. „Vielen Dank! - sagt sie,- Toll haben Sie das gemacht! Wunderbar frisch riecht es jetzt!“ Ja, die Omi findet sie wohl am coolsten. Oh, sie kann erzählen!.. Und sie ist eine wunderbare Schauspielerin, besonders, wenn sie angetrunken ist. Und ich bin ein dankbares Publikum. Es geht mir so gut, wenn sie erzählt. Sie sagte: „Weißt du was, ich hab schon mal meine Sachen vorsorglich durchgeguckt und so einiges aussortiert und beim RK abgegeben, damit du nicht das Problem hast.“ Ich sagte: „Welches Problem?“ Sie sagte: „Na ja, ich habe gesehen, wie schwer es E. fiel, über die Sachen ihrer Mutter zu entscheiden. Es war viel überflüssiges dabei, was nie gebraucht wurde oder nicht mehr zu gebrauchen war, aber das ist echt schwer, etwas wegzuschmeißen, was einem mal gehörte...“ Ich sagte: „Oh mein Gott!!! Mutti!!! Du bist noch nicht mal fünfzig!..“







-Wie geht es dir? - fragte er. - Schlecht. - Wieso? Warum denn? Jetzt will ich es aber wissen! Privat? Irgend ein Arschloch? Soll ich ihn töten?



-Kommst du morgen? - Ich verspreche gar nichts mehr! - Nun ja... Aber von dem jetzigen Stand der Dinge ausgehend? - Weißt du, so was kommt bei den Frauen überhaupt nicht gut an, - sagte E.- etwas zu versprechen und es dann nicht halten zu können. Viel besser ist es zu sagen, mit wievielprozentiger Wahrscheinlichkeit man etwas tun würde. - Aha. Und mit welcher Wahrscheinlichkeit rechnen wir, dass du morgen kommst? - Mit 95%. - sagte ich. - Hej! Das ist ja schon fast ein Versprechen!

Dienstag, 16. Dezember 2008

satellitentechnik

Am Telefon: - Ich möchte K. Sprechen. - Sie ist im Moment nicht da. - Wann kommt sie denn? - Gleich... In..n paar Minuten... - Dann bleib ich dran. - Ok... Ich muss aber weiter Butterbrote schmieren... - Ich bitte drum.










„Trotzdem heuerte Butzer bei Baudachs „Maschenmode"an und zeigt seitdem dort seine expressiv anmutende Riesengemälde aus seinem rätselhaften „lebenslänglichen Cartoon", der von Mondgesichtigen „Friedens-Siemensen", furchteinflößenden „Schande"-Gestalten, Kartoffenwesen und „N-Häusern" bevölkert wird."









-Sie unterstellen mir, ich würde Ihre Mutter vernachlässigen. - Das stimmt nicht! SIE waren doch gar nicht gemeint! - Warum erzählen Sie es dann MIR? - Ich will nur sagen, wie die Dinge sind. - Ich weiß, wie die Dinge sind, ich arbeite hier. - Aber ich finde das trotzdem unverschämt. Sie werden noch eine dicke Beschwerde in der Zeitung lesen, da werden wir auf jeden Fall hinschreiben! - Machen Sie das. Vielleicht hilft es ja.



Donnerstag, 4. Dezember 2008

umgekippte möbel

In letzter Sekunde hat mich Panik ergriffen: ich dachte, ich würde alles sofort wieder rückgängig machen, wenn ich nur könnte. Es es einfach zu viel auf einmal, selbst für mich. Alles stand auf dem Kopf. Der Körper machte nicht mit. Und die Seele wollte auch nicht hin.






Und nun kommt wieder Ordnung in mein Leben. Am nächsten Tag schien die Sonne, ich lief durch die Straßen und dachte: wie schön, dass ich jetzt HIER bin. Die Stadt ist wie aus einem Film. Bei mir im Erdgeschoss gibt es ein kleines Restaurant, winzig und gemütlich, wie ein Puppenhaus. Und wenn ich abends ins Fenster blicke, sind die leuchtenden Vierecke auf der anderen Straßenseite einfach magisch... Wieso denke ich die ganze Zeit an ein Cafe? Wegen diesem Tisch in meinem Zimmer – der ist wie aus einem Cafe, und die Stühle auch... Und ich habe das Bild von einem bestimmten Cafe im Kopf... Es fühlt sich an wie nach einem Sturm, wie nach dem Tsunami... Was war, kommt nicht mehr zurück. Aber es entsteht schon jetzt wieder etwas neues.






Ich mache einen kleinen Umweg, aber gewollt. Und es passt, ich schaffe alles und kriege sogar die Bahn... Heute bin ich wieder der Macher und ich drehe die Kurbel... Wenn alles so einfach wäre. Wenigstens etwas ist einfach. Heute. Ab morgen spare ich mir auch die gewollten Umwege.

Sonntag, 23. November 2008

dummheit der hunde

Die Welt ist so durchsichtig geworden. Die Blätter sind weg, ich kann alles sehen, bis in den weitesten Hintergrund. Die Blätter liegen auf der Erde unter den Bäumen und werden mit Schnee zugeschüttet. Die Kapuze rahmt mein Bild ein, ich schiebe sie etwas zurück um seitlich gucken zu können. Die Frau hat ihren struppigen Freund inzwischen auf den Schoß genommen, damit er weniger friert wahrscheinlich. Er runzelt skeptisch die Stirn und schaut in die Richtung, aus der der Zug kommen soll. Die Hunde sind dumm, deshalb kann ich ihnen alles verzeihen.


Dienstag, 16. September 2008

Sonntag, 17. August 2008

Зайка-Капризайка


mein engel ist weg

Ich habe im kalten Wasser mein Geschirr gespühlt.  Irgendwann saß ich  wieder - ich legte meine Hand an die Wange. Die Wange war heiß und die Hand kalt. Dann legte ich die zweite Hand an die andere Wange. Und dann beide Hände an die Schläfen.


Mittwoch, 13. August 2008


 



Niemand hat ihr je gesagt, sie sei ein hübsches mädchen. 
Sie wuchs auf in einem dorf, in einer achtköpfigen familie. als sie noch die freiheit dazu hatte, war sie ständig nur mit ihrem zwillingsbruder und seiner bande unterwegs - und sie sah aus wie er: klein, dünn,  sogar mit demgleichen haarschnitt, der vater schnitt ihnen die haare, immer kurz, aus praktischen gründen. der mutter war ihr aussehen ebenfalls unwichtig, sie schimpfte nur, wenn sie ihre klamotten dreckig machten. als jungstes kind trug sie kleidung ihrer älterer geschwister, und da sie nur eine schwester hatte und vier brüder, trug sie dementsprechend selten kleider. nur für die schule hatte sie eine uniform mit rock, weil es pflicht war. 
mit 12 oder 13 bekam sie einen verehrer aus der parallelklasse, aber sie wusste nicht, dass es ein verehrer war, erstens weil er sich überhaupt nicht so benahm, wie es einem verehrer gehört (jedenfalls wie man sich einen solchen vorstellt, wenn man französische romane liest) - er schubste sie, wenn sie sich auf dem gang begegneten, warf nach ihr mit dem ball in der sportstunde, klaute und versteckte ihre jacke oder ihre schultasche, - und zweitens weil sie nie auf die idee gekommen wäre, es könnte sie vllt einer mögen... 
sie las sehr viel. im sommer immer draussen, weit weg von zuhause, im winter war es kalt und es ging nicht anders, da saß sie zu hause in der ecke und das buch war der grenzzaun zwischen ihr und den nervenden geschwistern und eltern. das licht war  immer schlecht, von der billigsten und schwächsten glühbirne, und direkt darunter saß der vater im sessel mit seiner zeitung. und so war die folge, dass sie mit 14 eine brille aufsetzen musste, natürlich nicht in der zierlichsten ausführung, sondern ebenfalls die günstigste variante, die es beim optiker gab. sie schämte sich furchtbar, wollte sie nicht tragen, und so ließ ihre sehkraft weiter nach, als sie versuchte, ohne die brille auszukommen, so dass sie mit 16 noch viel dickere gläser verschrieben  bekam.  
mit 16 verlor sie auch ihre vorderen schneidezähne, der zahnarzt verpasste ihr die billigsten metallkronen und dies brachte sie auf den gipfel der verzweiflung. schlechte zähne hatte sie schon als kind, da ihr lieblingsessen ein mit zucker bestreutes butterbrot war und die eltern ihr nie erklärten, wie wichtig es ist, sich die zähne zu putzen. zahnpasta oder zahnpulver waren da, aber keiner kontrollierte, ob sie es benutzte. 
sie zog sich nun vollkommen zurück, lachte überhaupt nicht mehr (und wenn, dann nur mit zusammengepressten lippen) und redete wenig, um möglichst nicht mehr den mund aufmachen zu müssen. 
sie hatte damals eine freundin, die ein ähnliches schicksal erlitt. diese war von geburt an schwerhörig, doch in der schule fiel es immer häufiger auf und wurde immer mehr zur last. statt dem mädchen ein kleines unauffälliges (aber teures) hörgerät zu beschaffen, kauften ihre eltern  ein auto für den ältetsten sohn, und das mädchen bekam ein billiges großes und unbequemes hörgerät, wie es die ärmsten rentner tragen. auf dem weg zur schule nahm sie es ab, damit wollte sie sich auf keinen fall vor den anderen teenagern zeigen. dafür verstand sie kaum, was die lehrer im unterricht erzählten, sie konnte zwar von den lippen lesen, aber die leute schauten ja nicht immer zu ihr, und so saß sie nur da und blinzelte wie eine idiotin, wenn ein lehrer sie plötzlich etwas fragte. 
und so setzten sich die beiden irgendwann zusammen an einer schulbank, die eine sagte, was auf der tafel steht und die andere, was die lehrer erzählen. eine blinde und eine taube. 
später haben sie sich noch mit einem mädchen angefreundet, die ein absolut wunderschönes gesicht hatte, aber ihre linke wange und der ganze hals hässlich vernarbt waren, weil, als sie noch klein war, ein topf mit kochendem wasser auf sie herunter fiel...
die drei kamen sich vor wie behinderte monster, aber sie konnten sonst niemandem so vertrauen wie einander, weil sie keiner so gut verstehen konnte... 
vllt war dies einer der gründe, warum sie unmittelbar nach dem schulabschluss ausbrach, weit weit weg von zuhause fuhr für einen neuanfang ... sie musste viel und hart arbeiten um genug geld zu verdienen für eine hübschere brille und neue zahnkronen mit weißer emaille auf der vorderseite. sie gewann jedoch kaum an selbstvertrauen, lächelte wenig, und fremde blicke, besonders die der männer, waren ihr sehr unangenehm, sie dachte, die leute würden sie anstarren und sich über ihre hässlichkeit wundern. wenn man ihr sagte, sie hätte schöne beine oder tolle haare, glaubte sie, man würde sich über sie lustig machen. 
um so überraschter war sie als sie diesen typen kennenlernte und er sie auch noch mochte... lange zeit nahm sie ihn nicht ernst  und ignorierte sein interesse an ihr... aber irgendwann musste sie gestehen, dass etwas dran sein musste...

Montag, 11. August 2008

das mit den Weckern ist echt so ne Sache...

die halten ja gar nix aus. ein mal gegen die Wand geworfen, ist so ein teil schon Schrott!




-Zum Thema Hundenamen: der Hund meiner Eltern heißt Bronko. das ist schon mal ein furchtbarer Name. -Nein! Das klingt schön! -Hm... Geschmäcker sind verschieden. ich würde jedenfalls nicht gerne Bronko heißen....

Donnerstag, 7. August 2008

eine reise durch die schläfrigkeit

Schmetterlinge im Bauch? Vielleicht ein einziger. Er heißt Th. Er hat gesagt, die Typen sprechen Mädels nur an, wenn ihre Uhr nicht geht oder das Feuerzeug. Ich dachte: das ist also der Punkt - wir brauchen einander nicht, das ist alles.


Es gab ein Gewitter, ich habe geschlafen. Liege im Bett, schaue die unruhigen Wolken an, sie sind am Überlegen,ob sie noch etwas bleiben oder weiterziehen sollen. Taste mein Rückgrat ab - es schmerzt. Entweder unbequeme Position gewesen oder es wird ihm alles langsam zu viel. Die Wolken beschließen zu verschwinden, der Himmel wird blau. Es wird kühler, ich fange sogar an zu frieren. Jetzt wäre ich gerne draußen, aber ich habe keinen Grund. Wenigstens kommt frische Luft durch das offene Fenster.(Hallo,ich bin die Frische Luft!) Ich könnte was nützliches tun, doch ich verbringe meine Zeit damit Zeichentrickfilme bei Youtube zu gucken. Alles so absurdes Zeug – ich mag das. Es ist so ein Tag, an dem rein gar nichts passiert. Aber es ist gemütlich. Mit diesen Filmen, die mich an frühere Zeiten erinnern, mit dem Tee und der frischen Luft... Erstaunlich ruhig heute Abend. Selbst die Nachbarn scheinen alle ins Koma gefallen zu sein - bei den ist doch sonst immer was los...



Er war heute nur ganz kurz da. Hat mich verpasst.

Sonntag, 3. August 2008

-Stell dir vor, L.G. hat Schlangen als Haustiere!  - Schlangen? Igitt!  - Schlangen sind doch gar nichts. Manche halten Ratten!!


-Wer hat die Servietten so gestärkt? Die sind ja wie aus Eisen! -Na ja, wir haben hier zwei Kollegen, das ist ihr größtes Hobby. Sie kommen jeden Morgen um halb sechs hierher und fangen an alles zu stärken. - Man kann sich damit gar nicht die Lippen abtrocknen, man verletzt sich dabei!..




Nach dem Mittagessen verzichtet sie auf das Pudding, weil es nicht appetitlich genug aussieht. Stattdessen nimmt sie zwei Bananen mit. -Von Bananen wird man fett. - Ach so... DU ernährst dich wohl NUR von Bananen.

Donnerstag, 24. Juli 2008

"Meine Indianer-Ohren sagen mir, dass die Bahn gleich da ist"

Der Gag des Tages: nach einer Prüfung - Jetzt kriegst du deinen Fünften Kyu. - Aber den hab ich schon! - ...Dann hast du eben noch einen.






Wir haben natürlich den Gag direkt für unsere Zwecke missbraucht: Warum schwitzt E. so? Ach ja, sie hat zwei Hakamas an...

"Ich habe noch nicht das wahre Getränk gefunden"

H.S. hat heute Appetit! Sagte sogar, das Essen schmecke gut. Ich hätte das nicht geglaubt, wo ich das sah... Ich sagte: Ich habe ihn schon lange nicht mehr so gut drauf gesehen. - Er wird sterben.




Mittwoch, 23. Juli 2008

mein kücken und ich (2)

Ich dachte, sie übergibt mir wieder ganz feierlich einen Ermitage- Bildband oder ein Buch über die Tretjakow-Galerie mit "Iwan der Schreckliche tötet seinen Sohn" auf einer Doppelseite zum ausklappen: du hattest ja vor kurzem Geburtstag und du interessierst dich ja für Kunst... Zum Glück, nicht.





Als ich mit dem vollen Bauch auf der Couch döste und den leisen Tönen deutscher Volksmusik lauschte, fragte sie mich ganz plötzlich: Und wie ist es bei euch mit der Gerechtigkeit? Auf eurer Universität?.. -Welcher Universität? - Na, Schule... Wie sind so die Deutschen und die Ausländer? - Ganz in Ordnung, - meinte ich. Ich war schon wach, wusste aber, dass ich etwas verpasst habe. - Und warum hat es damals nicht geklappt bei dir?.. Ich bin sofort wieder müde geworden. Ich wünschte, ich hätte nicht so eine niedliche Frisur...



Als die Tante Kaffee kochte, fand Mutti irgendwo eine Zeitung. Ich sagte: Oh! Horoskope! Für August! Lass mal sehen! Sie sagte: Lies laut vor! Ich las leise. - Na? Krebs?.. - Wir fahren nach Düsseldorf! -Was ? Steht es so da? -Ja. Zwilling: genau das Gleiche. Klar,wir fahren nach Düsseldorf! Sie glaubte es mir nicht und las selber. - Hab ich doch gesagt! Das wird nicht einfach, aber wir schaffen das.

mein kücken und ich

Daswarkeine gute Idee zu fuß durch Bonn zu marschieren. Ich mag diese Stadt nicht besonders, weil ich mich ständig darin verlaufe. Aber noch weniger als Bonn mag ich die Busse...





Als wir da waren, sagte die Tante: Ihr seid pünktlich wie die Deutschen. War das ironisch gemeint? Aber wir waren wirklich noch pünktlich, trotz allem. Ausserdem versteht sie selber keine Ironie... Egal.



Sie redete viel über Politik, Wirtschaft und Ökologie - alles Dinge, von den wir keine Ahnung haben. Aber das Essen war lecker; dafür lasse ich sie gerne in allem Recht haben. Mutti zog ihren Brillenputztuch aus der Tasche. Ich sagte: Was ist das? Sieht irgendwie anders aus... - Klar, ist doch Prada. - Was?! Geil!! Will ich auch!..



Man, war ich satt!..



Auf der Strasse sagte sie: Wer diese Zaunpfeiler entworfen hat muss ein echter Perversling gewesen sein. Ich sagte: Mutti, du bist ein Schweinchen. Wie kommst du bloß immer auf solche schmutzige Gedanken? Der Bus hielt direkt vor uns an. - Sollen wir den nehmen? - Nein... Ich bin so voll, darin wird mir nur noch schlechter... Gehen wir zufuß.



- Sie hat ja gar nichts über Medvedev und seine Politik gesagt. - Ja... Stimmt...



Dienstag, 22. Juli 2008

Weltfrieden und Blumen für alle!

heute ist mein geburtstag. das wetter ist fein, wir machen einen ausflug zum drachenfels. ich werde gefilmt. ich finde es albern und peinlich, aber ich kann mich überhaupt nicht wehren. 
oben auf dem berg hat man eine schöne aussicht. unten fließt der rhein und die gegend drum herum liegt wie auf einem tisch ausgebreitet. touristen und besucher gehen im schloßgarten spazieren, sitzen im cafe, das geschirr glänzt in der sonne. ich denke an meinen zwillingsbruder, der ja ebenfalls heute sein geburtstag hat, allerdings weiß ich nicht, ob er ihn feiert, ob er das überhaupt noch weiß... das letzte, was ich von ihm gehört habe (durch die bekannte, die noch ab und zu in der gegend zu tun hatte): er lebte immer noch in dem alten häuschen, pflegte allerdings nicht mehr den garten. er fuhr gelegentlich in die stadt das geld auftreiben, kehrte zurück und trank. als ihn einmal jemand nach mir fragte, sagte er, ich sei gestorben. ob aus groll und bosheit, oder weil er wirklich so dachte, weiß kein mensch. unser letztes persönliches treffen lag schon lange zurück, und es war alles andere als warm und fröhlich. die eltern lebten noch, waren aber schon sehr alt und hilfsbedürftig, er lebte mit ihnen, versorgte sie, ob gut oder schlecht, aber holz und kohle zum heizen waren da... ich kam zum sprachtest und musste bei ihnen übernachten. die stimmung war erdrückend. die eltern waren still. richa nörgelte dagegen ziemlich viel. er machte mir vorwürfe, ich wäre eine rabenmutter, hätte meine tochter allein gelassen.. - was sagst du bloß, - erwiderte ich, - erstens ist sie kein klienes kind mehr, sie ist 15, und zweitens ist sie nicht allein, sondern bei bekannten.. 
da wurde er wütend und schrie, ich dachte, er war kurz davor mich zu schlagen, da kam der vater dazwischen, richa stieß ihn weg mit den worten: sei du doch still! - und der alte man fiel auf den boden. die szene war einfach furchterregend.  
am nächsten tag fuhr ich weg, ohne den sprachtest gemacht zu haben (ich schrieb dann lange mitleiderregende briefe und bat, den test in meine nähe zu verlegen, was letztendlich tatsächlich gemacht wurde). die eltern taten mir am meisten leid, weil sie mit richa allein im haus blieben. 
ich erkannte mienne bruder nicht wieder. er veränderte sich so sehr. von allen anderen geschwistern verstanden wir uns beide miteinander am besten. wir waren ja auch zwillinge. wir machten alles zusammen, wir spielten, bastelten, erzählten einander geschichten, lasen dieselben bücher. er interessierte sich für geschichte, später für philosophie, zeichnete besser als alle anderen in der familie, die lehrer sagten ihm große zukunft voraus. ich schaute zu ihm hinauf, er war mein lieblingsbruder und mein absolutes ideal. er verließ das haus etwas früher als ich, ging zur armee, dann arbeiten, danach studierte er jura. wir schrieben uns lange briefe. und als vielversprechender jurastudent kam er mich einmal besuchen. er trug anzug und krawatte, hatte tolle manieren und beiendruckte alle meine freundinnen. 
ich war gerade dabei, die Wände der Aula im Kindergarten zu bemalen, sowie die Pavillons auf den Spielplätzen, und er leistete mir dabei gesellschaft und half ein wenig - er malte immer noch tausendmal besser als ich, sogar ohne viel übung und ich bat ihn oft um rat und überließ ihm die feineren details. in der aula spielte meine beste freundin, die musiklehrerin, am klavier für uns. wenn sie nicht da war, legten wir schallplatten mit klassischer musik auf oder spielten kassen ab, die er aus der stat mitgebracht hatte. nach seinem besuch sahen mich alle meine kolleginnen mit ganz anderen augen an. er brachte auch eine schöne puppe für meine tochter mit, welche es bei uns nicht zu kaufen gab. kurz gesagt, alle verliebten sich in ihn. 
ein paar jahre später gab er plötzlich das studium auf. 
er sagte, die eltern seien alt geworden und brauchten hilfe, es sei aber keiner da. 
er deutete auch an, dass er von allem enttäuscht war, auch von der frau, in die er verliebt war.
er kehrte nach hause zurück, ins dorf. 
als ich ihn dort wieder jahre später besuchte, war er mitglied in einer sekte. das hat mich sehr verwundert, ich konnte nicht glauben, dass es für ihn anscheinend so eine ernste sache war. ich kannte diese sekten, sie schoßen in letzter zeit wie pilze aus dem boden, ihre broschüren und bücher waren überall, sie bewarben ständig neue mitglieder, doch das alles nur um die quoten zu halten und materielle hilfe aus dem ausland zu erhalten, für pakete mit kleidung, konserven, irgendwelche projekte wurden erfunden, die dann meistens aus den usa finanziert wurden... nicht mal die pfarrer selbst glaubten an gott, geschweige denn der rest der gemeinde, aber richa schien sich tatsächlich nicht für materielle vorteile interessieren (tat er nie, als pragmatisch konnte man ihn nicht bezeichnen) sondern für die inhalte der lehre... damals konnte man noch mit ihm diskutieren ohne dass er gleich aggressiv wurde. dennoch, dachte ich, mit seiner bildung und seinem wissen, das kann doch niemals sein ernst sein! und selbst wenn er sich wirklich für religion interessierte, waren diese menschen doch niemals die passenden gesprächspartner für ihn!.. wir redeten viel darüber, es war nie langweilig, ihm zuzuhören, egal, was er erzählte. er sagte, er hätte die überlegung, selbst ein pfarrer zu werden (in so einer sekte musste ma dafür kein studierter theologe sein). ehrlich gesagt, nahm ich das nicht all zu ernst. er ließs sich so für manches begeistern, wie früher für geschichte, politik, jura, und gab die dinge genauso leicht auf. es war nur verständlich, dass er sich im dorf langweilte und sein geist nach einer beschäftigung suchte. 
als die eltern starben, dachte ich, er wird dort wegfahren und  wo anders etwas neues versuchen. 
ich war kurz davor ihn zu mir einzuladen. ich schickte ihm mehrmals geld, damit er eine ordentliche grabstätte einrichten kann, doch bekam darauf keine rückmeldung von ihm. 
irgendwann erfuhr ich, dass er trinkt. spätestens dann wusste ich, dass alles vorbei ist. 
das einzige, woran ich  dachte: dort in der hütte gibt es noch die alten fotos von uns und von mama, die sogar noch vor dem krieg gemacht wurden.. und es gelang mir tatsächlich diese fotots zu bekommen, mit hilfe von freunden. es bleiben also nur noch erinnerungen. 
und nun sitze ich hier in der sonne auf der bank und betrachte das schloss und den brunnen davor.
ich bin nicht alkoholsüchtig (und werde es nie sein, das kann ich schwören) und auch nicht verrückt (zumindest nicht in dem maße, in dem es meine geschwister sind, allerdings kann ich nur hoffen, dass es so bleibt) und es fällt mir schwer zu glauben, dass sie dort sind (oder vielleicht auch nicht mehr, von bruno habe ich schon seit fast 20 jahren nichts mehr gehört) und ich - hier, dass ich immer noch bunte farben sehe und höre, wie die vögel zwitschern und das wasser plätschert, und ich weiß nicht, wem ich dafür danken soll... 




heute ist mein geburtstag. das wetter ist fein, die sonne scheint, doch mir ist nicht nach feiern, ich will niemanden sehen, nicht einmal meine mutter. sie gratuliert mich am telefon, ich lasse sie auf den anrufbeantworter sprechen. nachmittags höre ich die nachrichten ab. dann föllt mir ein, dass der kerl, den ich neulich kennengelernt habe, mich mal zu einem picknick-date eingeladen hat. ich rufe ihn an und sage, dass heute wohl das perfekte wetter zum picknicken ist. er weiß allerdings nicht, dass ich geburtstag habe, das muss er auch nicht, denn wer soll es verstehen?.. wir treffen uns auf der wiese, wir haben snacks, er hat wein und gläser mitgebracht. wir machen uns einen schönen abend, reden viel. als es dunkel wird, gehen wir zu ihm, machen dort noch eine flasche wein auf, er will mir salsa beibringen... als die sonne aufgeht, sind wir im bett, schlafen miteinander. er dreht mein gesicht immer wieder zu sich, damit wir uns gegenseitig ansehen, und ich weiß wirklich nicht, warum ich es immer wieder wegdrehe...  dann steht er auf und geht in die küche wasser trinken. als er zurückkommt, wundert er sich darüber, dass ich wieder angezogen bin. ich wundere mich auch und ich weiß wieder nicht warum, aber ich verabschiede mich. ich schlafe in der bahn, die sonne scheint durch das fenster. paar tage später denke ich, das war doch ein netter kerl und ein netter abend, ich frage nach, was läuft. er schreibt, dass er kürzlich eine frau kennengelernt hat, mit der er eine beziehung starten möchte, und wünscht mir alles gute.

Freitag, 13. Juni 2008

alte fotografien




früher trug sie (im winter) eine flache ovale mütze aus schwarzem lammfell - etwas schräg, wie stewardessen - dazu einen dünnen grauen mantel mit schmalem kunstfellkragen und stiefel auf hohen absätzen. damit sah sie etwas streng aus, aber eigentlich war es ihr einfach nur kalt. sie trung immer lippenstift, ohne den erkannte selbst ich sie kaum wieder. auf den fotos nahm sie posen der rennaissance-diven an, aber es wirkte  natürlich, ungezwungen und graziös, alle anderen sahen neben ihr nur plump aus, steif und hölzern. sie war wie eine kleine balerina unter  dorfmädchen, obwohl sie nie tanzunterricht hatte, im gegenteil, nicht mal von ihren freundinnen hat sie es geschafft ein paar modische "moves" abzuschauen und servierte auf parties die kerle ab nur um nicht mit ihnen tanzen zu müssen.
sie hatte immer einfache schlecht bezahlte berufe, aber sie konnte sich nie unters einfache volk mischen, selbst wenn sie wollte, sie wirkte wie ein schlecht getarnter spion. sie gehörte nie so richtig dazu, obwohl es ihr keiner beigebracht hat, so anders zu sein.
mir wurde es dagegen systhematisch unterrichtet, nämlich von ihr. sie kleidete mich anders ein - nach ihrem geschmack, sie brachte mir benimmregeln bei, die sonst keiner kannte. ich muss sagen, ich leide immer noch darunter,  und ich frage mich ab und zu, warum ließ sie mich nicht so werden wie alle anderen - das wäre doch viel einfacher für mich. sie, die immer anders war, hätte doch wissen müssen, wie hart es ist, sich von den anderen zu unterscheiden? warum musste ich das gleiche wie sie nochmal durchmachen? vllt ist es ein zwang, ich glaube sogar, das kommt von ihrem vater...










Freitag, 6. Juni 2008









Das Flugzeug war klein, es schaukelte, es war eng und heiß, es gab kaum Luft zum Atmen, die Ohren schmerzten, mir war übel, das Essen konnte ich nicht mal ansehen, ich sah überhaupt nichts um mich herum. Wäre ich in dem Moment gestorben, hätte ich das gar nicht gemerkt, oder es als eine Erleichterung empfunden.. Der Flug dauerte acht Stunden.  Ein paar sitze weiter filmte ein Mann das Ganze auf Video. Auch seine hyperton entgleiste kurz vor dem Herzinfarkt platt im Sessel liegende Schwiegermutter. Bei der Landung riefen die Leute laut und falsch "Whuhu!" und klatschten in die Hände. 
Auf dem Flughafen war es kühl, sogar kalt. zunächst habe ich mich darüber gefreut, nie wieder Hitze, sagte ich mir. Der Mann hinter dem Sicherheitsglas begutachtete unsere Papiere und spukte lieblos ein "herzlichwilkommen" hin ohne uns anzusehen. 
Nachdem wir uns ein wenig umgesehen haben, setzten wir uns in eine ruhige Ecke und warteten. Ich kam langsam  wieder zu mir und bedauerte sogar, das Folienhähnchen im Flugzeug nicht angerührt zu haben. In der Mitte der Halle stand ein großer Schnauzbärtiger Kerl mit einem Hotdogwagen. wir berieten uns, dann ging ich zu ihm. Das war mein erster Menschenkontakt auf dem fremden Boden und das Essen kostete die Hälfte von dem, was wir mit hatten.
 Wir warteten ziemlich lange. Es fing  an dunkel zu werden, wir dachten, man hätte uns vergessen. Doch irgendwann sahen wir eine unglaublich dicke Frau in strahlend weißem Sportanzug und mit wehendem langem Haar mit energischen großen Schritten auf uns zukommen. Sie rief unsere Namen und gab mit der Hand das Zeichen ihr zu folgen. Wir waren ein wenig entsetzt. Draussen stand ein riesiger Bus mit abgedunkelten Fenstern. Er war voll - anscheinend waren wir die letzten – wir warteten wohl doch an der falschen Stelle... Wir haben uns von den anderen Passagieren abgesetzt. Wie immer.
Der Bus fuhr nicht in die Stadt. 
Es schaukelte weich, mir wurde wieder schlecht. 
Wenn es mir schlecht wird, bekomme ich gar nichts mehr mit. Deshalb kann ich mich überhaupt nicht mehr an die Leute erinnern, die mit in dem Bus saßen (aber höchstwahrscheinlich waren es dieselben wie in dem Flugzeug), worüber sie redeten, evtl haben sie uns auch irgendwelche Fragen gestellt, ich weiß es nicht mehr. Ich kann mich auch nicht an den weg erinnern, ich weiß nur, dass wir sehr lange fuhren und dass es draussen ziemlich leer aussah, keine Häuser, nur Felder und ab und zu Bäume...
Es war fast Mitternacht, als wir endlich ankamen. Als erstes wurden wir zu einer großen Lagerhalle geführt, wo wir unser Gepäck abgeben mussten. An sich war es verständlich - die leute hatten gigantische tonnenschwere Reisetaschen dabei, und zwar jeder jeweils zwei-drei davon. Wir jedoch hatten nur eine einzige kleine Stofftasche mit ein paar Büchern und anziehsachen, wir fragten, ob es denn unbedingt sein muss, aber so war die Vorschrift... Also suchten wir uns das nötigste heraus und gaben den Rest ab. Dabei stellten wir fest, dass sämtliche Waschutensilien aus unserer Tasche verschwunden waren. Anscheinend gab es ausser der am Flughafen noch eine zweite inoffizielle Gepäckkontrolle, bei der Sachen entfernt wurden, ohne dass der Besitzer darüber bescheid wissen musste. Und so mit zwei Handtüchern in der Tüte und einer Dokumentenmappe unter dem Arm gingen wir weiter zur Anmeldung. Dort herrschte Hochbetrieb. Ob die Angestellten Überstunden machten oder tatsächlich Nachtschicht hatten?..  Wir standen noch eine Stunde in der Schlange, unsere Personalien wurden aufgenommen, man sagte uns, in welchem Gebäude wir unser Schlafzimmer finden.  In der Dunkelheit kann ich mich eigentlich nur schlecht orientieren, aber die Wege waren schnurgerade und die Häuser gut sichtbar nummeriert. 
Im "Sclafzimmer" standen etwa  acht oder zehn Stockbetten und drei Großfamilien haben es sich dort bereits bequem gemacht. Doch mir war noch immer schlecht von dem Flug und der Fahrt im Schaukelbus und deshalb auch alles ziemlich egal. Wir gingen kurz in die Gemeinschaftsdusche am Ende des Flurs und krochen dann unter die Decken - ich oben, sie unten, während die anderen im Raum weiter rumwuselten und sich über die Ereignisse des Tages austauschten. 

Am nächsten Morgen setzten wir uns als aller erstes mit dem Wörterbuch hin und bauten ein paar Sätze zusammen, mit den wir uns dann an den Mann am Empfang wendeten. Darauf hin bekamen wir ein sog. Hygienepaket - eine Tüte mit Zahnpasta, Seife, Shampoo etc. Es hat  fuktioniert, allerdings hielt es unser Wohltäter für nötig uns mit Gesten zu erklären, wie man die Zahnbürste mit der Zahnpasta benutzt. Wir schauten verduzt, bedankten uns aber ganz höfflich.
Wir erfuhren von der Existenz einer Kantine. (Wir hatten zwar immer noch ein wenig Geld dabei, aber wie wenig es tatsächlich war erfuhren wir erst nach dem ersten Telefonat aus dem Automaten..)
Warmes Essen gab es nur Mittags, in quadratischen Alluminiumtellern, abgedeckt mit Alluminiumfolie, es war matschig und übersalzen, aber Alternativen gab es nicht. Sonst aßen wir Brot mit Aufstrichen aus kleinen Einmalpäckchen. (ich will mich nicht beschweren, wir waren eigtl sehr dankbar für alles, doch nach einer Weile konnten wir das Zeug nicht mehr ansehen. Die anderen gingen raus ins Dorf in erster Linie um Zigaretten zu besorgen, aber auch etwas anderes zum Essen, wir hatten leider, wie erwähnt, kein Geld dafür.)
Die folgende Woche verbrachten wir in Wartesälen. Beamten empfingen uns in ihren Büros, wir füllten Formulare  aus mit Fragen, die wir bereits Tausende Male zuvor beantwortet haben - der aufregendste Tag war der, an dem wir uns die Schreibweise unserer Namen aussuchen durften. Ansonsten spazierten wir auf dem Gelände zwischen den gleich aussehenden langen braunen Häusern (vermutlich Soldatenkasernen in der Vergangenheit) oder telefonierten aus dem gelben Telefonhäuschen. Wir machten Bekanntschaft mit dem dortigen Gärtner - ein dürrer Typ mit kleinem Silberohrring - er hat uns auf einem leeren Kinderspielplatz entdeckt als wir uns zuzweit auf einer Schaukel amüsierten. Er gab uns ein Bier aus und verkündete ziemlich bald, dass er auf Frauensuche sei.  Er war nicht aufdringlich. 
Irgendwann bekamen wir Zugtickets ausgehändigt und wurden zum Bahnhof gebracht. Die Fahrt war nicht lang, aber doch sehr anstrengend. Wir hatten schreckliche Angst, unsere Station zu verpassen, jede ins defekte Mikrofon undeutlich dahingemurmelte Ansage versetzte uns in Panik. Am Zielbahnhof wurden wir wieder abgeholt, aber diesmal von einem Minibus - wir waren auch nicht mehr so viele. Wir wurden durch ein kleines niedliches Städchen gefahren, das aussah wie ein Drehort für Märchenfilme - hinaus wieder in die Felder, aber nicht allzu weit weg. 
Das zweite Lager sah weniger nach einem Großbetrieb aus, wir mussten uns das Zimmer nur noch mit zwei anderen Frauen teilen (da standen nur zwei stockbetten) und das Gepäck durfte mit rein. Es gab wieder eine Kantine mit matschigen Fertiggerichten und Gemeinschaftsduschen - diesmal im Keller. Das Gelände bzw der Hof war nicht groß genug für ausgiebige Spaziergänge also trauten wir uns weiter hinaus aufs Land. Nach unseren Büroterminen gingen wir die Nachbardörfer erkunden, wir entdeckten auch einen Teich, wo sehr freche und gefährlich aussehende Schwäne lebten. außerdem sahen wir einen Bauernhaus mit einem Storchnest auf dem Dach - ganz wie auf alten Postkarten. Wir wunderten uns über die Unmengen von Blumen in jedem Garten  und vor jedem Fenster und über die Plastikfiguren in jedem Hof. Alles war neu und ungewöhnlich. Feuchte kühle Luft, saftiges Grünzeug, ausgewaschene Sonne, wohlgenährte Pferde auf der Wiese...  Weniger erfreulich war die Begegnung mit den Menschen: irgendwelche Teenager liefen uns eine Weile hinterher, riefen etwas und lachten, wir verstanden es nicht, hatten jedoch nicht das Gefühl, es sei etwas gutes und einladendendes… Bevor sie wegliefen, warfen sie ein Paar Steine in unsere Richtung, nicht wirklich um uns zu treffen, zeigten uns jedoch überdeutlich ihre Verachtung. die Gesichter der Menschen  waren mir fremd, ich konnte nicht verstehen, was sie ausdrücken. Nach einer Woche hatten wir auch diese Erkundungstouren satt, aber dann bekamen wir wieder Zugfahrkarten und wurden am Bahnhof abgesetzt. 
Diesmal dauerte die Fahrt etwas länger, wir mussten sogar einmal umsteigen, und waren deshalb wieder sehr angespannt, um die richtige Station nicht zu verpassen. Wir schauten aus dem Fenster  und je weiter wir fuhren, desto düsterer wurde die Gegend und desto verwirrter und verzweifelter  wurden wir. Die hübschen Städchen und Dörfer verschwanden, es gab nur noch zerstörte Baraken zu sehen, hier und da eine Baustelle, neuerrichtete  menschenleere Siedlungen und absolut verwildertes Gelände.. An sich hatten wir nichts dagegen, nur fragten wir uns, was sollen wir hier?..
Auf unserer Zielstation rannte auf uns eine große Menschenmenge zu, sie begrüßten und umarmten uns, als wären wir ihre lang erwarteten liebsten Verwandte, jemand hat uns die Tasche aus den Händen gerissen und wir wurden irgendwohin eine Strasse lang fast getragen...
Später erfuhren wir, dass es eine Art Tradition war, die Neuankömmlinge am Bahnhof abzuholen, die Heimleiterin kannte den Termin, und damit man nicht allein in der Stadt umherirren muss, empfing sie einen am Bahnhof zusammen mit ein paar anderen Heimbewohnern. Die Stimmung war recht freundschaftlich, die Leute hielten sich einigermaßen zusammen, man konnte Fragen stellen, sich Rat holen, das ganze sah eher nach einem zuhause aus, im Garten trocknete die Wäsche... das Wohnheim war nicht groß, ein langgezogenes Gebäude mit nur einem Stockwerk, Duschen und Toiletten wie immer am Ende des Flurs, mit einem Aufenthaltsraum zum Fernsehen  und einer großen Gemeinschaftsküche, wo man endlich selber kochen konnte. Wir zwei bekamen ein kleines Zimmer für uns allein, dort war sogar ein kleiner  Kühlschrank. Als aller erstes haben wir uns eine richtige Suppe mit Fleisch und Gemüse gemacht.  Als zweites kauften wir uns Papier.

Wir hatten viel Zeit. Die verbrachten wir entweder mit unseren Nachbarn oder erkundeten die Gegend allein. Wir probierten uns quer durch das Sortiment der  Supermärkte durch, kauften uns ein paar neue Anziehsachen und endlich auch neue Schuhe. Dieser eine Monat, den wir im Wohnheim verbrachten, war eigentlich der beste. Die Welt war schön, solange alles neu war und wir noch nicht all zu hart mit dem realen Leben konfrontiert wurden. Eine solche Konfrontation fand z.B. an dem einen Tag statt, an dem uns unsere Heimmitbewohner zum ersten Mal in die Innenstadt ausführten, um zu zeigen, wo man einkauft. Während sie noch erklärten, wo es was zu kaufen gibt, stürzten sie sich selbst schon auf Angebotswaren und versuchten auch uns für die herabgesetzte Preise zu begeistern. In dem Moment fing ich an zu weinen. 
Nach einem Monat bekamen wir eine eigene Wohnung zugeteilt in einem großen Sozialbau im fünften Stock. Von da an waren wir auf uns allein gestellt und mussten uns selbst um die Dinge kümmern. 
Wir hatten immer noch Unmengen von Zeit, so dass wir gar nicht wussten, wohin damit. Wir gingen spazieren - in die Stadt, in den Wald. wir lasen Bücher, schauten fern - unglaublich viel. Telefonierten, veranstalteten Abende...   was man alles so tut um der Langeweile zu entkommen. Manchmal fuhren wir mit dem Zug zum Meer, oder mit dem Auto, wenn uns jemand mitnahm, aber im Herbst wurde es dort ungemütlich. Im Winter blieben wir die meiste Zeit zu hause. Es gab Schnee, aber nur wenig, viel öfter hat es einfach nur geregnet. 
Wir entwickelten einen Hang zum unnötigen philosophieren, und wir wurden immer unglücklicher. Das Essen schmeckte nicht, die Leute mochten uns nicht, und wir sie genauso, wann immer sie Gelegenheit dazu hatten, gaben sie uns zu verstehen, dass wir nicht willkommen sind.  Einmal habe ich einen Zettel zugesteckt bekommen, auf dem stand: "hast du keinen anderen Pulli?" 
Jeder versuchte uns beizubringen, wie wir leben sollen, aber das half uns in keiner Weise, es zu lernen. 
Wir hatten jede Menge träume, aber keine Ziele. 
Wir hatten eher Anti-Ziele. Wenn jemand sagte: ihr müsst Geld fürs Auto sparen, oder zumindest einen Führerschein  machen - sagten wir: nein, wir brauchen kein Auto, es gibt hier genug öffentliche Verkehrsmittel. Oder wenn man meinte: seht zu, dass ihr nicht ohne Männer bleibt, antworteten wir: wir brauchen keine Männer, wir schaffen es auch ohne. Die Leute rannten durch die Geschäfte auf der Suche nach Allerbilligstem, wir wollten aber essen, was uns schmeckt und anziehen, was uns gefällt. Wir wussten ganz genau, was wir nicht  wollten und was wir nicht brauchten. Aber was wollten wir nun? Wir dachten: das Leben, wie es ist, haben wir hinter uns; jetzt wollen wir das Leben, wie es sein soll. Und so brach die erste Sinnkrise ein. 


Wie sollte nun das Leben sein? Eine neue Ära kündigte sich an, als wir zu dem Schluß kamen, dass wir "vernünftige" Arbeit brauchen, oder genauer gesagt, als wir begriffen, dass diese Arbeit nicht einfach so von oben herab fällt wie Schnee, sondern dass man sie suchen muss und sich dafür richtig ins Zeug legen..
Sie packte eine Tasche und fuhr los, ich blieb. Ich lebte  äußerst unordentlich und versuchte es zu genießen, schlief tagsüber, schaute nachts fern, aß zu jeder beliebiegen Zeit und benutzte ungewaschenes Geschirr... Irgendwann rief sie an und sagte, sie hätte einen Job und sei jetzt auf  Wohnungssuche.  Dann musste ich mich wieder  aufraffen. Eine weile später rief sie an und sagte, sie hätte jetzt auch eine Wohnung.  Dann organisierte ich schnell einen Umzugswagen und fuhr ihr nach. 
 Wir fingen wieder bei null an etwas eigenes aufzubauen. Das Leben bekam  einen Sinn: die Wohnung zu renovieren und einzurichten, Klamotten zu kaufen, auszugehen, in den Urlaub zu fahren. Ich hatte bald auch einen Job, die Arbeit war hart und öde, umso mehr machte es spaß das Geld auszugeben. Man musste sich belohnen, aber mit  der Zeit immer mehr, um es auszuhalten. Wir versuchten unser Leben zu inszenieren. Ausstellungen, Art fairs, Tanztheater... wir waren keine Idealisten, nur Träumer und Skeptiker zugleich. Und wir wurden eigentlich immer sehr schnell enttäuscht, uns lange für etwas begeistern konnten wir nie.  So  stellte sich  auch hier die Frage: was machen wir und wofür?