Donnerstag, 30. Juli 2009

ein leben und ein begräbnis



nur die angst vor dem tod gibt dem leben einen sinn. wenn sie weg ist...


die beisetzung war am dienstag. N. Ist eine wahres organisarionstalent. die ganze veranstaltung war so perfekt geplant, durchdacht und umgesetzt wie eine theaterinszenierung. einen einzigen zwischenfall gab es als die zeremonie zu ende war und der sarg versenkt wurde – die totengräber machten gerade mittagspause. N. lud die gäste zum tisch ein, selbst aber blieb am offenen grab warten. sie sagte zu mir: ich weiß, dass C. einen jubiläum hatte, tut mir leid, dass ich nicht gratuliert habe, aber ich war zu sehr im stress mit der ganzen geschichte. sie erzählte von dem schlaganfall, und wie ihre mutter 26 tage im krankenhaus lag, überall schläuche, sonden, furchtbarer anblick... irgendwann sagten die ärzte, es wird nicht besser, sie muss hier raus. N. Wollte auf keinen fall die mutter ins heim abgeben, also pflegte sie sie selbst zu hause. tag und nacht bei ihr, sauber machen, von seite zur seite drehen, druckstellen behandeln. sie sagte: sie konnte weder reden noch essen, zeigte nur noch mit dem finger in den himmel, im sinne von: lasst mich doch endlich sterben. und man kann das ja alles verstehen, aber was willst du machen, außer darauf zu warten, dass ER sie irgendwann zu sich holt?



fast alle trugen schwarz (oder zumindest dunkelgrau) doch wirklich traurig war dort niemand ausser N. natürlich. wie sollen sie auch? nur wenige gesichter waren mir bekannt. ich hatte immer das gefühl, dass alle mich anstarren, und N. musste immer wieder erklären: das ist die schwester meines ex-mannes. dann setzte sich R. zu mir und fragte leise: wieso starren mich alle so an? ich sagte: ist doch kein wunder, du bist der jungste hier. es sind ja alles lauter alte leute, alle die, die deine oma kannten. - stimmt, sagte er.








Mittwoch, 22. Juli 2009

das brummen des kühlschranks - der klang der einsamkeit

ich glaube, neben mir wohnt keiner mehr. ich bin ganz allein hier.




ich vermisse meine mutter ganz fürchterlich und ich will nach hause. sachen, die ihr gehören, tun mir weh, allein durch ihre anwesenheit. wie dieser rote geldbeutel, den ich aus versehen in meiner jackentasche mitgenommen habe nach dem letzten einkauf (zum glück war da nicht viel drin). nun liegt er auf meinem kühlschrank und wartet auf die rückkehr. wie ich. jeden tag verbringe ich mit warten.



ich vermisse sie, aber wenn sie da ist, kann ich nicht reden. ich kann höchstens über ihre witze lachen, wenn sie von ihrem alltag erzählt und von ihrer arbeit... wenn sie mich jedoch fragt, was es bei mir neues gibt, sage ich: was soll es schon bei mir geben? nur das übliche. dann überlege ich und sage: ich war im kino.