Dienstag, 31. Mai 2011

Alisa. la bande originale (30)



ich bin ins wohnzimmer umgezogen. wahrscheinlich weil es das hellste zimmer der wohnung ist, das licht fällt von drei seiten herein: aus der tür, aus dem süd- und aus dem ostfenster. schon drei tage (und nächte) lag trage ich dieselbekleidung, schlummere auf dem schmalen sofa  in die decke eingewickelt zu jeder beliebigen uhrzeit. mein laptop steht auf dem couchtisch, fernseher läuft. wenn ich hunger bekomme, gehe ich kurz in die küche und koche kakao. die beiden schlafzimmer betrete ich gar nicht mehr, die türen sind geschlossen. ans telefon geh ich nicht ran - leute, die hier anrufen, wollen dich sprechen, dass ich hier bin, wissen sie gar nicht. ich mache nichts außer auf deine rückkehr warten. wenn du kommst, bin ich gerade im wohnzimmer und mache ein nickerchen. 



Sonntag, 29. Mai 2011

Alisa. la bande originale (29)

ich nehme eigtl nie den bus, und dann ab und zu doch, - und die fahrt durch die stadt, die du bestens zu kennen glaubst, gestaltet sich nicht uninteressant, wenn du noch ungesehene ecken und strassen entdeckst und versuchst dir vorzustellen, wo du dich gerade befindest..





böxig leise in goldenen ampulen

Samstag, 28. Mai 2011

Alisa. la bande originale (28)




fünf uhr morgens im krankenhausgarten: idylle schläft. irgendwo in der ferne klappern die nachttöpfe.

Freitag, 27. Mai 2011

Alisa. la bande originale (27)




heute abend lief im radio ein hörspiel, das ich schon mal vor jahren gehört habe: Troll, eine liebesgeschichte. ich kann mich nicht erinnern, wann genau das war, aber ich meine, zu der zeit, als wir noch ganz neu hier in köln waren. wir waren schrecklich einsam in diesem komischen haus und das gegakker der nachbarn ging uns auf die nerven. sie pinnten uns fast jeden tag einen zettel an die tür, wo drauf stand, was wir schon wieder alles falsch gemacht haben. selbst der einzig nette kerl dort, ein alter türke, der mir einmal die tasche hochgetragen hat, meinte danach, er wär mein vater und wollte eines morgens wissen wieso und woher ich so spät in der nach nach hause kam - er hätte mich gehört... ich wollte allen zum trotz einen hund anschaffen, ich wollte auf niemanden hören, obwohl du natürlich recht hattest, aber zum glück bekam die hundebesitzerin auch ihre zweifel und wir blieben bei nagetieren. irgendwann fand ich endlich eine richtige wohnung und pünktlich zum umzug wurde ich krank. ich hatte fieber und konnte kaum noch aufrecht stehen, also rief ich dich heulend an und du bist gekommen und hast alles für mich gemacht.




wie das alles einmal war, das ist schon verrückt... und noch verrückter ist, dass man sich an das schlechte nicht mehr erinnert. bzw man kann sich schon an bestimmte dinge erinnern, aber man empfindet sie nicht mehr als schlimm, so wie den höllischen schmerz beim zahnarzt damals (14) - aber ich weiß noch genau, dass im wartezimmer bei ihm der fernseher lief und es wurden snowboarder-clips gezeigt, wie sie eine vertikale schneewand entlang stürzen, und die musik dazu war einfach klasse ... ja, man erinnert sich nicht mehr an das geschrei, ans türenknallen, an die angst, an den dreck, man denkt nur noch, alles was war, war schön. die zeit allein ist es wert, die zeit ist einfach teuer. du sagst, deine zeit läuft weg, meine läuft aber noch schneller. ich hoffe, du weißt, dass wir schon sehr bald wieder sommer haben. ich hab es nämlich gar nicht mitgekriegt. ich hoffe du gehst noch ab und zu raus, es riecht gut, wenn alles blüht. ihr habt doch bestimmt blumen im garten?


Donnerstag, 26. Mai 2011

Alisa. la bande originale (26)





dafür, dass wir gerade schluss gemacht haben, gehts mir doch recht gut. ich dachte ich werde heulen.  und ich würde auch gerne, aber irgendwie kann ich nicht... die sonne scheint so verzweifelt, aus aller kraft, als wäre es ihr letzter tag. der wind reisst den vorhang aus dem fenster. als zehnfjähriges mädchen erzählte ich einmalmeiner mutter von einem traum, den ich hatte: mein vater wäre plötzlich zurückgekehrt. als er in der tür stand, sagte er: - ich habe meine mütze hier vergessen. - er nahm die mütze und ging wieder. aber du trägst nicht mal eine mütze. ich schau mich um: ob du doch etwas bei mir vergessen hast. du hast sogar das foto von der wand genommen, als hättest du angst ein stück deiner seele ginge verloren... ich nehme dir deine seele nicht weg. wenn ich das nur könnte. wäre es schlimm gewesen zu bleiben? aber morgens ist alles wieder ganz anders als abends.

Mittwoch, 25. Mai 2011

Alisa. la bande originale (25)







das wichtigste vergessen. schnell zurück. du schaffst es schon, du bist flink wie eine gazelle, schneller sogar als deine hose. du denkst an tausend sachen, nur nicht an hier und jetzt. endlich hast du dich getraut anzurufen. da meldet sich der anrufbeantworter. jetzt hast du eine tolle ausrede für mindestens eine ganze woche. und der papierkram liegt wieder bewegungslos da. die bahn ist vollgestopft mit schwitzenden menschen. du gesellst dich dazu und schwitzst mit. eine gemeinsame aktivität. für einen kurzen moment kommst du zur ruhe - ob du dich auregst oder nicht, sie fährt ja nicht schneller. und deine hose kann dich jetzt endlich einholen.

Dienstag, 24. Mai 2011

Alisa. la bande originale (24)





ich fühle mich wie special agent cooper - ich denke ständig, dass ich etwas wichtiges vergessen habe.

Montag, 23. Mai 2011

Alisa. la bande originale (23)







Marianne stand den ganzen tag hinter der theke in einem kiosk, der nicht einmal beheizt wurde, und verkaufete kaugummi, haarspray, alkohol - das einzige, womit man sich dort aufwärmen konnte, doch der besitzer zählte alle flaschen morgens und abends zusammen mit dem geld ab, und so erkältete sie sich andauernd und ihre blase wurde so schwach, dass sie fast jeden abend auf dem weg nach hause einnässte. egal, wie schnell sie lief, irgendwann passierte es, sie spürte auf einmalwärme zwischen den beinen, die sich nach unten ausbreitete... ein glück, dass der mantel lang genug war um die nasse hose zu verstecken.

eines tages hielt eine schike karre vor kiosk an, der fahrer, ein neureicher  businessman hatte vor, zigaretten zu kaufen, da sah er sie... Marianne war wunderhübsch, nur furchtbar dürr und schlecht angezogen.
er began ihr den hof zu machen. sie mochte ihn nicht besonders, aber er brachte geschenke, die sie dann heimlich verkaufte, er kaufte ihr kleider und nahm sie mit in die restaurants und zu den banquets, wo sie sich sattessen konnte. um nicht mit ihm schlafen zu müssen, erzählte sie, man hätte ihr infolge einer schrecklichen krankheit alles wegoperiert. er glaubte ihr. eigentlich wollte er irgendwann mal heiraten und kinder kriegen, erwähnte er manchmal, deshalb ging sie davon aus, dass er sie bald verlässt. doch aus irgend einem grund blieb er.

Sonntag, 22. Mai 2011

Alisa. la bande originale (22)




der rhein ist wieder seicht und ruhig, das wasser bewegt sich kaum noch. enten machen nickerchen auf trockenem schlamm.
auf der dorfpromenade wird feierlich die neue grillsaison eröffnet, kühler wind und bedeckter himmel können hier keinem die laune verderben. ein rentnerpartyschiff mit lauter marschmusik zieht vorbei, als wollte da jemand  holland überfallen. in der campingsiedlung blüht das zusamenfaltbare leben. wohnwagenpennbrüder thronen auf klappstühlen und betrachten den fluß durch den maschendrahtzaun, auf klapptischen steht bier oder wein, an der leine zappelt bunte wäsche. abends setzen sie sich auf ihre hightech-drahtesel und fahren zur nächsten provinzflaniermeile. um sich unter das deutsche volk zu mischen ziehen sich meine muslimischen mitbürger besonders festlich an: frauen in weißen tüchern und kleidern, männer in dunklen anzügen mit kravatte und sonnenbrillen wie mafia. obwohl sie alle stinknormale langweilige jobs haben und auch sonst nur irgendwie dazugehören wollen, kommen sie den ureinwohnern noch sehr suspekt vor. diese - frischpansioniert und frischfrisiert - setzen sich in leere eiscafes und beobachten aufmerksam das geschehen. Camper studieren preislisten der cafes ohne von ihren bikes zu steigen. autos warten in zwei reihen auf die fähre. zum ewigen familienglück verdammte dorfpärchen flanieren händchenhaltend und eindeutig unter minderwertigkeitskomplexen leidend an den teuren feinkostläden vorbei.
so beginnt unser sommer. 

Samstag, 21. Mai 2011

Alisa.la bande originale (21)





mutter verbot ihnen in ihrer abwesenheit die fenster zu öffnen - nur das obere kleine klappfenster zum luften! - sagte sie und drohte mit dem finger wie mit einer waffe. und natürlich waren alle fenster weit aufgerissen, sie standen auf der fensterbank, ballancierten auf dem sims ohne sich am fensterrahmen festzuhalten, denn von dort, vom zwölften stock aus sah man die ganze stadt und alles andere drum herum. unten krochen andere kinder auf dem asphalt wie winzige insekten, sie zeichneten mit  kreide merkwürdige bilder und muster wie aus der sendung über ausserirdische und spielten geheimnisvolle spiele in den engen schluchten zwischen geschäften, kino, wäscherei und friseursalon. man sah rechts den see, in dem einmal ein esel ertrank,oder vielleich ein ganzer laster versank darin, man erzählte verschiedenes... noch weiter dahinter glänzten dächer der treibhäuser. links war die schule, der stillste ort im sommer und deshalb vie interessanter als sonst - sich im schulhof rumzutreiben und durch die fenster in die leeren klassenräume reinzuschauen (und für so manch einen buchliebhaber war der besuch der schulbibliothek im sommer ein wahrhaftig exklusives erlebnis)... der sportplatz mit kaputtem verbogenem klettergerüst. dahinter standen andere hochhäuser und man sah ein stück vom dach der neuen schule, die erst vor kurzem fertiggebaut wurde und am kommenden herbst zum ersten mal ihre pforten öffnen sollte. jungs, die die baustelle regelmäßig erkundeten, berichteten interessante ding, zum beispiel dass es in der neuen schule einen schwimmbad geben sollte. fast jeder bat seine mutter in die neue schule überwiesen zu werden und fast jeder erzählte, sie hätte zugestimmt, unter gewissen bedingungen... doch es hieß auch, diese schule sei für die kinder der mitarbeiter der ebenso neugebauten textilfabrik da, die man allerdings nicht von diesem fenster aus sehen konnte, egal wie weit man sich daraus lehnte. dafür sah man aber den marktplatz, den stausee, den nussbaumhain, den fluss mit dem staudamm, mit einem wasserfall von fantastischer schönheit - in einer weißen dampfwolke - genauso stellten sie sich niagara vor..

Freitag, 20. Mai 2011

Alisa. la bande originale (20)





das dach war absolut faszinierend. meistens war die falltür verriegelt, doch jedes mal wenn sie sahen, dass das schloss aufgebrochen wurde, nutzten sie die chance und kletterten hoch. der dachboden war ein gruseliger ort, dunkel, der boden übersäht mit glasscherben, zigarettenkippen, irgendwelchen lumpen, spritzen, abgekockelten steinen... keiner hielt sichdortlange auf, man kletterte schnell weiter hinaus aufs dach. auf den weichen klebrigen bitumen, in den antennenwald mit heißen von der sonne aluminiumästen. von dort aus sah man wirklich alles, auch die westseite - mit der textilfabrik, den kindergärten, den hochhäusern und  den dazugehörigen sommerhäusern dahinter, und noch weiter ein weites  baustellental, das aussah wie eine kulisse für enen sci-fi-film über marsmenschen, nach einem buch von ray bradbury...  und dahinter die berge, gelb-grün, behaglich rundlich, so nah, als könnte man sie anfassen, hier auf dem dachrand stehend... wer dorthin wanderte, brachte immer interessante dinge mit: merkwürdig geformte steine, pflanzen, die es unten gar nicht gab, versteinerte muscheln... auf dem größten berg  direkt in der mitte am hang klaffte ein rundes loch, eine hölle. da wollte jeder hin. und jeder, der dort mal war kehrte sehr stolz und geheimnissvoll blickend zurück.

Donnerstag, 19. Mai 2011

Alisa. la bande originale (19)



schweigsame parade der hochhäuser. bunt und eng, jedes von ihnen anders und doch alle zusammengehörig, vereint in heißem beton. fenster, balkone, mit wäsche behangen, mit insektennetz überzogen, verglast bei den reichen, mit gerümpel vollgestopft bei den armen...
kühle staubige treppen, verbogene, verstümmelte geländer. fremde türen in verschiedenste farben, frischen und abblätternden, aus  sperrholz so dünn wie pappe, aus massiver eiche mit verzierungen und ausschmückungen, mit lederimitat bezogen und gepolstert, mit stahlplatte verstärkt, geschweißte eisentüren, unnahbar, fast sakral. sie standen vor einer dieser türen wie häretiker vor einer kirche, klebten das guckloch mit dem kaugummi zu, klingelten und liefen weg. der aufzug brummte im schacht, die schiebetüren gingen auseinander, eine dicke frau erschien, rot und schwitzend, mit vollen einkaufstaschen. man begrüßte sich. - was macht ihr hier? wohnt ihr in diesem haus?  - nein, wir besuchen einen freund... die frau schaute skeptisch, sagte aber nichts weiter und ging zu ihrer wohnung. und sie schlüpften in den sich bereits schliessenden aufzug.

Mittwoch, 18. Mai 2011

Alisa. la bande originale (18)

man kommt sich so nah und dann ist man plötzlich wieder so fern.. wenn jemand aus deinem leben verschwindet - jemand, dem du früher alles erzählen wolltest und konnstet, und nun wechseltman nicht mal ein wort miteinander, man schweigt, und tut so, als gäbe es den anderen nicht, als hätte man sich nie gekannt.. gemeinsame geschichten werden ausradiert oder umgeschrieben, und erinnerungen verblassen schnell, wenn man sie nicht pflegt, gefühle und bedeutungen verlieren sich in der flut neuer ereignisse und erlebnisse, was früher unbeschreiblicher schmerz war ist heute nur ein wort, das man nicht einmal ausspricht - bald ist es ganz weg. und man freut sich darüber, man ist erleichtert...



sie saßen auf dem verwüsteten spielplatz und aßen butterbrote mit zucker. ein junge fand im sand eine münze und kaufte ein eis. seine besten kumpels durften genüsslich daran mitlecken. ein gutherziger streuner mit abgehacktem schwanz kam angehumpelt, doch er mochte kein gezuckertes brot.

Dienstag, 17. Mai 2011

Alisa. la bande originale (17)







Aufzüge – es gab vier in unserem haus: zwei große und zwei kleine. Die großen waren so gut wie nie im betrieb. Außer wenn irgendwo ein umzug bevorstand, dann bat man die hausverwaltung die großen, oder wenigstens einen von den einzuschalten, wenn er denn auch funktionstüchtig war. Dadurch, dass sie so selten benutzt wurden, sahen sie von innen etwas besser aus als die kleinen. Die liefen dagegen tag und nacht zwischen den zwölf stockwerken hin und her, gingen abwechselnd kaputt, wurden dann aber relativ schnell wieder repariert, maximal nach fünf tagen, sonst blieben sie stehen bei stromausfällen, dies passierte allerdings immer häufiger, oder auch wenn die bösen jungs an den knöpfen herumspielten, wenn kein erwachsener mit dabei war... die knöpfe... ein wahres wunder, dass man mit diesen knöpfen die aufzüge bedienen konnte. Manche von ihnen fehlten komplett – wurden herausgeriissen oder herausgeschlagen, - die restlichen waren angekockelt, halbgeschmolzen, die nummern der etagen darauf kaum noch zu sehen... nicht selten war die deckenleute defekt – wenn der aufzug seine schiebetüren schloß, fuhr man im dunklen. Es roch dort dauernd nach urin und die ecken waren so gut wie nie trocken. Ob so manchen der fahrstuhlgästen der weg bis zur eigenen toilette zu lang war oder blieben sie so oft stecken und wurden nicht so bald befreit? Ich blieb ebenfalls so einige male im aufzug stecken, aber die hilfe kam meistens recht schnell. Einmal standen wir genau zwischen zwei stockwerken, die tür wurde vom oberen aus aufgemacht, sodass mich jemand hochheben musste damit mich der mechaniker nach oben hinausziehen konnte. Allein schon wegen solchen möglichen szenarien bat mich meine mutter niemals allein mit dem aufzug zu fahren. Und auch sonst sich genau die menschen anzugucken, mit den ich einsteige. Wenn du unsicher bist, dann warte lieber auf die nächste fahrt, oder ruf mich wenn ich zu hause bin... das war so üblich, von unten nach der mutter zu schreien, bis sie aus dem fenster schaute und sich nach deinen wünschen erkundigte.. ich erinnere mich wie ich mit einer fremden dame hochfuhr, sie musste irgendwo im achten aussteigen und ich bat sie auf den knopf nummer zwölf zu drücken, weil er sich ganz oben befand, sodass ich es nicht selbst tun konnte.
Recht häufig kam es vor, dass ich zu fuß laufen musste. Entweder weil sich keine passende begleitung fand um mit dem aufzug zu fahren, oder weil dieser wieder mal defekt war oder irgendwo zwischen den stockwerken festsaß, oder weil es wieder mal keinen strom gab, oder weil ich einfach nur allein sein wollte... das treppenhaus war nicht viel sicherer als die aufzüge. Die müllabwürfe waren dauernd verstopft, berge von müll lagen direkt auf den treppen, darüber hüpften munter die ratten. Geländer waren verbogen, hingen zerstückelt hinunter, da war es empfehlenswert an solchen stellen lieber an der wand entlang zu gehen. Doch war es ebenso wenig ratsam den wänden zu nahe zu kommen, sie wirkten außerordentlich abstoßend durch all den schmutz, die kritzeleien und schmierereien, die sie an sich trugen. Die fenster im treppenhaus waren fast alle zerschlagen, wobei es unwahrscheinlich war nach draussen hinauszufallen, die gefahr bestand eher darin in den schacht zwischen den fensterscheiben zu stürzen, der breit genug war für einen kindlichen körper... auch so manch eine begegnung im treppenhaus war nicht immer angenehm. Wenn man irgendwelchen lärm von weitem hörte, zum beispiel streitende männe, so hatte man die möglichkeit sich auf der etage zu verstecken und abzuwarten bis sie weg waren. Ein mädchen aus der nachbarschaft erzählte mal, dass sie immer wieder auf der treppe einem kerl begegnete, der vielleicht 16 oder 17 jahre alt war, also deutlich älter als sie. Einmal sprach er sie an, sie blieben kurz stehen, er steckte die hand ihr unter die jacke, sie spürte seinen finger zwischen ihren beinen, danach ging er weiter. Ich habe mich immer vor einem jungen gefürchtet, der im neunten stock wohnte, wir waren etwa gleich alt, er schien mich irgendwo her zu kennen, und ich ihn auch, allerdings habe ich vergessen, wie und wann wir uns zum ersten mal begegneten, wir sprachen nie miteinander und er hat mir eigentlich nie etwas böses getan, aber etwas war da, eine ahnung, ein beunruhigendes gefühl, mir wurde kalt vor schrecken, jedesmal wenn ich ihn sah, überhaupt seine ganze art, wie er sich bewegte, wie er schaute war einfach beängstigend. Er gehörte eindeutig nicht zu den guten, er rauchte auf der strasse mit den anderen jungs, seine kleidung war schmuddelig... jedenfalls ersuchte ich stets die neunte etage so schnell wie möglich zu passieren, und oberhalb der neunten etage fühlte ich mich am sichersten – unterhalb bestand die möglichkeit immer noch ihm zu begegnen, aber ganz bestimmt nicht oberhalb. Und einmal passierte doch das unvermeidliche, wir trafen uns auf der treppe. Ich war auf dem weg nach oben und auf der fünften etage sah ich in von der sechsten runterkommen, ein bruchteil der sekunde zu spät, ein bruchteil der sekunde zu schnell war er für mich, weil er ohne schuhe und leicht wie eine katze lief. Ich bog sofort auf die etage ein, obwohl ich wusste, dass es nutzlos war, er folgte mir natürlich. In der fünften wohnte eigentlich die beste freundin meiner mutter, aber ich wusste dass sie nicht zu hause war, und auch ihr sohn war im kindergarten, überhaupt um die uhrzeit auf anständige erwachsene im haus anzutreffen war so gut wie ausgeschlossen. Trotzdem klopfte ich an die tür, tat so als ob da jemand zu hause sein könnte, nur damit er weggeht und mich in ruhe lässt. Er wartete kurz ab, selbstverständlich machte mir niemand die tür auf. Da kam er näher. Was machst du? fragte er. Ich will nur die freundinn meiner mutter besuchen, aber sie ist anscheinend nicht zu hause, sagte ich und wollte schnell an ihm vorbei und wieder raus, aber er überholte mich sofort und versperrte den weg. Warte, sagte er. Wieso? fragte ich. Wieso? wiederholte er. Er stand an die wand gelehnt und lies mich nicht vorbei. Sag mal, hast du etwa angst? fragte er und ich betete es käme doch irgend jemand vorbei, aber es war still im haus wie in einer ägyptischen pyramide, die sonne schien durch die kaputten fenster in den langen flur, ich hörte seinen atem, so nah waren wir uns noch nie. Weißt du nicht mehr? fragte er wieder. Kennst du meinen vater noch? Nein, ich kannte seinen vater nicht. Weißt du noch, wie er und deine mutter?.. Nein, wollte ich gerne sagen, du irrst dich, da war ganz bestimmt nie etwas mit deinem vater und meiner mutter, als kind merkt man sich zwar nicht alles, aber ich kannte alle männer die bei uns je zu besuch waren, und dein vater war nie dabei, aber ich schwieg, in der angst, er würde mich länger quälen, wenn ich ihm widerspräche... er beugte sich näher zu mir vor und spuckte an meiner schulter vorbei an die wand. Wir sahen beide schweigend zu wie der kleine schaumklumpen die schmutzige wand hinunterrutschte und dabei eine schimmernde feuchte spur hinter sich ließ. Weißt du wirklich nicht mehr?.. fragte er nochmal. Dann ging er einen schritt zurück – er ließ mich frei. Ich ging hinaus auf die treppe und lief hoch, er verfolgte mich nicht. Auch später sind wir uns nie wieder so unmittelbar begegnet, ich sah ihn ein paar mal aus der ferne. Vielleicht hatte ich glück, oder er hatte kein interesse mehr an mir. Ich fühlte mich dann auch besser und selbstsicherer.
In der zeit irgendwo dazwischen war noch etwas anderes passiert. Einmal beim treppensteigen sah ich etwas am fenster vorbeifliegen, das war an sich nichts besonderes, leute schmießen ständig irgendwelchen müll aus ihren fenstern oder irgendwelche kinder warfen verschiedene gegenstände den schacht hinunter (erforschten die materialeigenschaften bzw grenzen ihrer stabilität). Aber diesmal war der gegnstand recht groß und schwer, er schien menschliche gestalt zu haben, ich meinte ein bein zu sehen, vielleicht war es eine große puppe, doch sie flog so schnell vorbei, dass ich so gut wie gar nichts sah, hörte nur die dumpfen schläge an den wänden des schachts und an den fensterrahmen, immer weiter unten... tage später erfuhr ich, dass ein kind von unserer etage sogar den schacht hinunter stürzte. Er war der etwa zweijährige junge der oft unbeaufsichtigt im flur herumlief, manchmal auch ganz allein, und selbst wenn wir ebenfalls im flur spielten, kümmerten wir uns nicht weiter um ihn, denn er war einfach viel zu klein um bei uns mitmachen zu können... jemand von den nachbarskindern behauptete seinen körper gesehen zu haben, als er aus dem schacht herausgeholt wurde, es soll ein riesiges scharfes stück glas in seinem rücken gesteckt haben, ich wusste nicht, ob das die wahrheit oder nur die üblichen gruselgeschichten waren. Die mutter des jungen verteilte süßigkeiten als zeichen der trauer.


Montag, 16. Mai 2011

Alisa. la bande originale (16)





Ich erinnere mich an eine familie mit der meine mutter sehr gut befreundet war. Ein sehr harmonisches ehepaar, die uns immer gerne bei sich zu hause empfingen, sie halfen meiner mutter in schwierigen tagen, sie war ihnen immer etwas schuldig – aber ohne das gefühl jemandem etwas schuldig zu sein, auf die bessere art also. Der mann war lkw-fernfahrer, die frau arbeitete im kindergarten als musik- und gesangslehrerin, ihre mutter war lehrerin an der örtlichen schule, unterrichtete in der oberstufe, sie stand mit dem schwiegersohn auf kriegsfuß, weil sie meinte, ihre tochter hätte jemand besseren verdient, meine mutter mochte die alte frau auch nicht, vielleicht weil sie alleinerziehend war oder sonst noch wie schlechten einfluss auf ihre tochter haben könnte, och ausser ihr störte sich niemand daran und unsere guten beziehungen blieben stabil, soweit man diese schwiegermutter da ausklammern konnte. Die zwei söhne der familie waren tolle lustige jungs, gut erzogen, als teenager schliefen sie in einem zimmer, dessen wände mit postern von bruce lee und jean claude vandamme beklebt waren. Obwohl sie jungs waren und ich ein mädchen, und das auch noch um einige jahre junger, beschäftigten sie sich gerne mit mir, wir spielten mario-spiele, schauten bollywood- und disneyfilme auf video, kochten zusammen... einmal war meine mutter irgendwo unterwegs und ich wohnte bei der familie etwa eine woche lang, ich schlief bei Jan, mit dem ich mich am besten verstand, wir plauderten nachts sehr lange, er erzählte witze und ich lachte, sodass die eltern an die wand klopfen mussten, damit wir ruhig sind. Jan war der beste freund, vielleicht schwärmte ich sogar ein wenig von ihm, so wie auch andere kleine mädchen von größeren und stärkeren jungs schwärmen. Da ging mir einer aus meiner klasse mir auf die nerven, ich beschwerte mich bei Jan, also hat er ein wenig auf den störenfried eingewirkt, so dass der mich schnell in ruhe ließ. Einmal feierten unsere eltern mit den eltern eines anderen jungen irgendeinen geburtstag, so dass wir drei zu hause bei diesem dritten jungen auf sie warteten. Da meinte wohl dieser junge vor Jan und Ed ein wenig punkten zu können – sie waren älter als er – und verriet nicht nur, dass sein vater pornos besaß, sondern auch dass er wusste, wo er sie versteckt... mich schienen sie in dem moment vergessen zu haben, ich spielte in einem anderen zimmer, doch irgendwann kam ich zu ihnen, sah auf den bildschirm, erschrak und lief weg. Da kam Jan zu mir, versuchte auf mich zuzureden, doch ich wollte unter keinen umständen zurück, da sagte er zu den beiden anderen, sie sollen den fernseher ausschalten, sie machten sich ein wenig über mich lustig, gehorchten aber.
Wir verstanden uns ausgesprochen gut. Er behandelte mich fast gentlemenlike, obwohl ich noch so jung war und so kaum etwas davon verstand. Merkwürdigerweise kann ich mich überhaupt nicht mehr daran erinnern, ob ich traurig war, als meine mutter die koffer packte. Vielleicht war ich auch gar nicht traurig, weil es hieß, es sei das beste für uns, insbesondere für mich (und das war es auch in der tat), ein besseres leben erwartete uns, dachten wir zumindest damals, vielleicht habe ich mich auch schon an den gedanken gewöhnt, das wir nicht ewig da bleiben, all die jahre dort waren nichts weiter als nur das lange warten auf die abreise... außerdem waren wir uns irgendwie sicher, dass sich unsere wege nochmal kreuzen werden, dass wir einander nicht für immer verlieren, und tatsächlich schrieb meine mutter eine zeit lang briefe. Eine zeit lang. Ich schrieb auch eine weile lang meinen ehemaligen klassenfreundinnen bis ihre heirats- und weitere zukunftspläne wichtiger wurden und wir jeden bezug zueinander verloren... was auch nicht weiter verwunderlich war, denn über die jahre wurden wir zu ganz anderen menschen. Warum dachten wir dass wir für immer so bleiben, wie wir waren, als wir uns trennten?.. wenn wir uns je wieder treffen würden, so würden wir wahrscheinlich aneinander vorbeilaufen ohne sich gegnseitig zu erkennen, so sehr haben wir uns verändert. So wäre ich auch an Jan vorbeigelaufen, weil ich mir nie vorgestellt hätte, er könnte so werden, wie er heute ist oder das ich mich zu dem entwickle, was ich heute bin... über irgendwelche dritte gemeinsame bekannte hat er die telefonnummer meiner mutter bekommen. Von ihr erfuhr er dass schon lange nicht mehr zu hause wohne sondern in einer ganz anderen stadt, und weil ich keinen festnetz habe und mobilfunkauslandsgespräche ziemlich teuer sind tat sie gut daran ihm lediglich meine email-adresse zu geben, woführ ich ihr sehr dankbar war, und das nicht nur aus finanziellen gründen... er schickte mir fotos. Seine eltern habe ich erkannt, obwohl stark abgenommen haben und auch sonst sehr gealtert sind... er selbst und sein bruder Ed waren auf den bildern vollkommen fremde männer für mich. Er fragte ob ich auch welche fotos schicken könnte. Er sagte ich sei schön. Wollte sich möglichst bald mit mir treffen. Er erzählte ungern von sich. Als erstes habe ich erfahren, dass er als berufssoldat in frankreich lebt und immer wieder nach afrika geschickt wird. Das hat mich sehr überrascht. Es war nicht leicht informationen über seine eltern und seinen bruder herauszubekommen. Nach und nach fügten sich einzelne sätze und andeutungen zu eine recht verschwommenen bild zusammen. Sein vater fuhr immer noch lkw, riskierte dabei immer mehr und verdiente auch immer weniger geld dafür. Seine mutter arbeitete immer noch im kindergarten, aber mittlerweile fast schon ehrenamtlich, so sehr wurden der einrichtung die gelder gekürzt, oma war in rente. Ed war ein besonders schwieriges thema. Die größte enttäuschung der familie sozusagen. Mutter und vater investierten all ihr geld in sein studium, er brach es aber ab, schwängerte eine kommilitorin, und da sie probleme mit ihren eltern bekam, zogen sie zu seinen eltern und lebten nun zusammen mit dem kind auf fremde kosten, beide ohne arbeit. Und Jan selbst – irgendwann beichtete er, dass er ebenfalls eine unglückliche beziehung hinter sich hatte, genauer gesagt, unglückliche ehe, die erade mal zwei monate dauerte, nach den seine junge frau wieder zu ihren eltern zog und ihn nie wieder sehen wollte und ihm auch jedes treffen mit seiner kleinen tochter verweigerte. Über die genauen gründe erzählte er nichts. Aber er erklärte ausführlich, was für ein toller sohn und baruder und vater er war, er ernähre mit seinem geld praktisch drei familien...
zu mir sagte er. Komm mich besuchen und ich zeige dir frankreich, ich bin hier zwischenzeitlich viel rumgekommen, ich kenne mich gut aus. Ich hatte bereits bei den wenigen kryptischen mails kein gutes gefühl, doch ich ließ mich trotzdem auf einen chat ein, wir „redeten“ keine zwanzig minuten, schon stritten wir uns über alle möglichen politischen und moralischen fragen gleichzeitig. Was mich am meisten störte, war nicht seine berufswahl und seine ansichten, sondern das fehlen von jeder spur von zweifel,die absolute sicherheit und feste überzeugung, mit der er voll und ganz dahinter stand. Ich sagte: ich kann nicht mit dir reden. Er sagte: du hast dich sehr verändert. Ich dachte: jawohl mein freundchen. Oder hast du erwartet, dass ich nur an körpergröße zunehme, aber geistig für immer auf dem niveau einer elfjährigen bleibe? Am ende war er sehr enttäuscht. Ich ließ mich nicht beeindrücken, ich warf mich ihm nicht um den hals, ich war über alles anderer meinung. Er sagte. Na schön, wie du willst. Und zog sich beleidigt zurück. So ging es zu ende. Bzw: das leben mag uns ja noch viele überraschungen bereiten, aber ich erwarte keine fortsetzung dieser geschichte und ich hoffe nicht, dass er sich irgendwann wieder bei mir meldet. So oder ähnlich vergehen also freundschaften...

Sonntag, 15. Mai 2011

Alisa. la bande originale (15)


warum seufzt man so gerne voller sehnsucht und denkt zurück.. wahrscheinlich weil man die vergangenheit so gut kontrollieren kann, man hat sie sortiert, das beste ausgesucht und eingerahmt, das schlechte weggeworfen und vergessen, so dass sie einem beinahe perfekt erscheint. nicht so die zukunft - sie ist nicht mal ein leerer rahmen, denn man weiß gar icht, ob sie überhaupt in irgend einen rahmen passen wird.. wir leben all zu gerne in der vergangenheit, drehen kreise, und so kommen wir kaum  voran. ich musste mich auch zwingen mich in diesen zug zu setzen, ich bin träge, die geschwindigkeit ist mir unheimlich, aber ich kann nun ebenso wenig dagegen tun, wenn man im zug sitzt, da denkt man nur noch an den zielort und an das ankommen.

Samstag, 14. Mai 2011

Freitag, 13. Mai 2011

Alisa. la bande originale (13)






er war allein zu hause, schnitzte etwas, die frau ging mit den kindern das grass für die kaninchen zu schneiden... da hörte er ein schreckliches geschrei, das aus dem nachbarshof kam, ein unmenschliches gegröle wie aus der unterwelt. er ging raus um nachzusehen. bei den nachbarn ging es den ganzen tag schon recht lebhaft zu, sie hatten wohl etwas zu feiern. und nun lag ein gefesseltes pferd auf dem boden, sie schnitten ihm die halsschlagader durch und stellten eine schüssel drunter um das blut aufzufangen.
er ging zurück ins haus und kam wieder mit einem revolver in der hand. die männer standen auf, und er, ohne ein wort zu sagen, erschoß das tobende tier. allein sein schwerer blick sagte: am liebsten hätte ich euch erschossen, und zwar alle!

 tag später ging  seine frau wie üblich zum stall  um die kaninchen zu füttern. alle käfige standen offen und die kaninchen lagen in einer reihe auf dem boden mit duchgeschnittenen kehlen.

Donnerstag, 12. Mai 2011

Alisa. la bande originale (12)




auf dem tisch hatten wir brot, zwiebeln und salz. der tee ging aus, also brühten wir kirschzweige auf. ich  drückte  mich an den lauwarmen heizkörper und sah wie im haus gegenüber eine frau sich schminkte. ging sie aus oder ging sie zur arbeit? alle frauen hier sahen aus wie prostituierte, aber das war in ordnung, das gehörte zur kultur. nachts schliefen wir vollbekleidet und wärmten uns gegenseitig. morgens lag ich allein im bett und sah  meinem atem zu, ich  hatte  überhaupt keinen grund das warme nest zu erlassen. wir hätten tage- und wochenlang im bett bleiben können, ja die ganze zeit, es hätte sich absolut nichts geändert, trotzdem legte sie viel wert darauf jeden morgen aufzustehen, ein bisschen gymnastik zu machen und sich in ordnung zu bringen. sie schien niemals aufgeben zu wollen, niemals sich hängen zu lassen... eine zeit lang verdiente sie etwas geld  indem sie irgendwelchen leuten half wohnungen zu renovieren. sie brachte tapetenreste mit, ich schnitt sie in kleinere stücke und zeichnete auf der weißen rückseite.

Mittwoch, 11. Mai 2011

Alisa. la bande originale (11)

es gab ein gewitter, einen wuchtigen schauer.
ein großer riss klafft im himmel und das blau dahinter ist so durchdringend schön, dass es fast schon angst macht. die wolken rotieren am horizont entlang. im osten sind sie schwer und dunkel wie blei und die berge sind fast verschwunden hinter dem grauen vorhang aus regen - jetzt gewittert es dort. hier trocknet die sonne bereits den asphalt und die naßgespritzten fensterscheiben. im garten ist wie in einem dampfbad, aber etwas weiter, über dem wasser ist die luft kühl und klar und der wind berauschend frisch, aus purem ozon. mitreißend, aber  verloren, abwesend, er kümmert sich überhaupt nicht darum, was er berührt und was er anrichtet, wie ein hübsches mädchen, das von einem anderen träumt.
es ist mein mai.



Dienstag, 10. Mai 2011

Alisa. la bande originale (10)

verzeih liebes, ich habe erst erfahren, dass es dir so schlecht ging, dass du mitten in der nacht auf intensiv musstest. so was passiert immer nachts. nachts ist es immer am schlimmsten. aber du bist da nicht der einzige, falls es dich etwas tröstet. tagsüber glaubt man "mit beiden beinen im leben" zu stehen, wie man es hier so schön sagt, immer bodenständig und realitätsbezogen. und nachts wird einem plötzlich klar, dass man ja die ganze zeit nur versucht, der realität zu entkommen.
weißt du noch, wie R. immer sagte: - nachts erlebe ich die dunkle seite meines jobs. man fragte sie dann: - warumm denn die dunkle? - und vermutete schon das allerschlimmste.und sie sagte: - na weil es nacht ist!



Montag, 9. Mai 2011

Sonntag, 8. Mai 2011

Alisa. la bande originale (8)





ihr könnt natürlich auch reden, aber eigentlich fragt euch keiner.

Samstag, 7. Mai 2011

Alisa. la bande originale (7)







manchmal lohnt sich eine reanimation.
sie hat zu fuß das haus verlassen.
eine rea tut einem ganz gut.

Freitag, 6. Mai 2011

Alisa. la bande originale (6)

< - Vom Weinen wirst du kein bisschen wirklicher. >




Donnerstag, 5. Mai 2011

Alisa. la bande originale (5)



ich wusste dass ein engel kommt und mich zudeckt


morphinüberdosierung,kreislaufkollaps, im schlaf erbrochen und ordentlich aspiriert, fette pneumonie, RöTho wie bei ener wasserleiche


Mittwoch, 4. Mai 2011

Alisa. labande originale (4)



Ich hatte einen merkwürdigen traum. Ein patient ist vor meinen augen zusammengebrochen: herzstillstand. Ich fing an zu reanimieren. Weil er ein großer kräftiger mann war, musste ich mich mit meinem ganzen körpergewicht auf ihn schmeißen um seinen brustkorb reinzudrucken. Doch schon nach kurzer zeit war er wieder da, hat gehustet und augen aufgemacht. Als ich erleichtert die ärztin anrufen wollte, hatte die keine zeit für mich. Ein paar stunden später lief der patient über den flur als wäre gar nichts passiert. Und dann kam plötzlich eine ganze armada in weiß und man wollte ihn in eine kardiologische spazialklinik nach London (!) schicken. Ich fragte mich ob der patient überhaupt englisch versteht und dann fiel mir ein, dass er früher in einer band gespielt hat und lieder auf englisch gesungen...


Dann erinnerte ich mich an einen anderen, apalliker, bei dem im zimmer ganzen tag lang heavy metal lief. ich fragte wieso, weil es mir furchtbar schwer fiel, bei dieser musik zu arbeiten, und man sagte mir, er sei ein ziemlich berühmter rocker gewesen, und dies sei sein werk.


Dienstag, 3. Mai 2011

Alisa.la bande originale (3)


...wie es sich herausgesellt hat, war es doch überhaupt kein problem! kaum hatte ich die augen zu, schon fing ich an stimmen zu hören. und so habe ich 8 staunden lang geschlafen ohne eine einzige störung, so dass ich jetzt wieder topfit bin! es war allerdings wie immer (noch) etwas merkwürdig aus dem fenster zu sehen und nicht zu wissen welcher tag und welche uhrzeit grad ist... trotz allem war es erholsam, ohne jede spur von kopfschmerzen. das letzte, woran ich mich erinnere: ein großes haus, wie ein palast, aber mit innenräumen wie im pferdestall oder abstellkammer. und dann auf er strasse: eine stadt wie im mittelalter. ein kleines mädchen in lumpen und haaren durcheinander, das seine mutter vermist, sitzt auf einem kaputen wagen, hält ein weißes kätzchen ins tuch eingewicket und ruft: "wer möchte ein jüdisches kätzchen? nicht teuer!"


... ich glaub ich fange jetzt schon an die sachen zu packen und räume das bettzeug weg, damit es morgen erst gar nicht zur debatte steht, ob ich mich kurz mal eben hinlegen soll :-)




Montag, 2. Mai 2011

Alisa. la bande originale (2)





danke, hab deine karte gestern bekommen! wollte auch direkt lesen, es war dunkel, aber da kam ein auto aus der ausahrt und wollte wenden, also las ich im scheinwerferlicht. der fahrer sah das und hielt an und wartete bis ich fertig war. dann hab ich gewunken und er ist weitergefahren. netter typ. ja, aber heute habe ich ein problem: ich bin hellwach!




Sonntag, 1. Mai 2011

Alisa. la bande originale (1)


kind mit der klaren stirne du